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Claudio Arrau
Piano Recitals 1954 | 1960 | 1963
5 CD | 5h 02min | Nr. SWR19054CD
CD 1: » Wolfgang Amadeus Mozart: Rondo D-Dur KV 485
» Ludwig van Beethoven: Klaviersonate Nr. 23 f-Moll op. 57 (Appassionata)
» Robert Schumann: Fantasie C-Dur op. 17
CD 2: » Claude Debussy: Pour le piano L 95
» Maurice Ravel: Jeux d'eau
» Maurice Ravel: Alborada del gracioso (aus: Miroirs)
» Franz Liszt: Chant polonais Nr. 5 (Meine Freuden)
» Frédéric Chopin: Etüde cis-Moll op. 10 Nr. 4
» Felix Mendelssohn Bartholdy: Rondo capriccioso E-Dur op. 14
» Frédéric Chopin: Ballade Nr. 3 As-Dur op. 47
» Frédéric Chopin: Ballade Nr. 4 f-Moll op. 52 Nr. 4
» Frédéric Chopin: Scherzo Nr. 4 E-Dur op. 54
CD 3: » Frédéric Chopin: Klaviersonate Nr. 3 h-Moll op. 58
» Frédéric Chopin: 24 Préludes op. 28
CD 4: » Ludwig van Beethoven: Rondo G-Dur op. 51 Nr. 2 für Klavier – Andante cantabile e grazioso
» Ludwig van Beethoven: Klaviersonate Nr. 28 A-Dur op. 101
CD 5: » Johannes Brahms: Variationen und Fuge über ein Thema von Georg Friedrich Händel B-Dur op. 24
» Robert Schumann: Carnaval op. 9 (Scènes mignonnes sur quatre notes)

Diese 2 Konzerte aus den Jahren 1954 und 1960 sind erstmalig auf CD zu hören. Claudio Arrau war einer der bedeutendsten Pianisten des 20. Jahrhunderts, dessen Karriere über beinahe 80 Jahre ging. Volume 1 der gesamten SWR-Aufnahmen von Claudio Arrau. Enthält Werke, die Arrau nie wieder gespielt oder auf Tonträger aufgenommen hat.

Selten, sehr selten ist Beethovens Appassionata so aufwühlend, so drängend und dringlich gespielt worden wie an diesem 27. März des Jahres 1954! Hier agiert ein Claudio Arrau, der sich in ein Werk gleichsam ungeschützt hineinbegibt. Leidenschaft bedeutet hier nicht nur Geschwindigkeit in den von Beethoven vorgeschriebenen Extrempartien, sondern ein aufwühlendes Erlebnis, indem der Interpret sich nicht scheut, Klavierspiel auch als geistvolle Wühlarbeit zu riskieren. Eröffnet hatte Claudio Arrau diesen Abend mit Mozarts spielerischem, lebensfrohen Rondo in D-Dur (KV 485) – eine für Arrau-Verehrer späterer Jahre vielleicht überraschende Programmwahl.

Als Claudio Arrau am 27. März 1954 in Ludwigsburg Werke von Debussy und Ravel spielte, war das im deutschen Kulturraum keine Selbstverständlichkeit. Das französische Repertoire hatte bei den führenden deutschen Pianisten untergeordnete Bedeutung.

Debussys Pour le piano, Ravels Jeux d’eau oder dessen pianistisch trickreiche Alborada del gracioso-Fantastik beweisen Arraus bewundernswertes Vermögen, seiner Technik die verschiedensten Wendungen in Richtung historischer, geographischer und auch klangparfümierter Unverwechselbarkeit zu verleihen. Mit drei Zugaben entlässt der Interpret sein Publikum, darunter eine verwegen schnelle Chopin-Etüde und Mendelssohns sonnig-mobiles Rondo capriccioso op. 14, das in seinem Repertoire nicht wieder aufgetaucht ist.

Mit einem umfangreichen Chopin-Programm 12.03.1960 im Ludwigsburger Schloß votierte Claudio Arrau für einen jener Komponisten, der für sein Leben als Pianist zu den Säulen der musikalischen Kommunikation zählte. Zwei Balladen, ein Scherzo, die h-Moll-Sonate op. 58 und die 24 Préludes op. 28 umfassen einen weiten Radius der Chopin-Ästhetik. Arrau recherchiert tiefer als Rubinstein in den Ungewöhnlichkeiten der Préludes, besorgter, kummervoller in den Nebelzonen der Balladen als Adam Harasiewicz. Manches in den klanglichen Dämmerungszonen deutet schon auf seine Brahms-Aufnahmen hin.

In den drei Konzerten in Ludwigsburg und Schwetzingen begegnen wir einem Interpreten, der mit einer kurzen Unterbrechung Mitte er 20er-Jahre rund 80 Jahre unentwegt konzertierte. Eine einmalige Geschichte musikalischer Ehrenhaftigkeit und Standhaftigkeit, die am 9. Juni 1991 im österreichischen Mürzzuschlag an einem geradezu schicksalshaften Ort ihr Ende fand. Claudio Arrau sollte mit einem Konzert das Johannes Brahms-Museum eröffnen…

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