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Ernest Bloch »Concerto Symphonique für Klavier und Orchester« | Ernest Bloch »Concerto grosso Nr. 1 für Klavier und Streichorchester« u.a.
1 CD | 77min | Nr. 93.192
CD 1: » Ernest Bloch: Concerto Symphonique für Klavier und Orchester
» Ernest Bloch: Concerto grosso Nr. 1 für Klavier und Streichorchester
» Ernest Bloch: Scherzo fantasque für Klavier und Orchester

Ernest Bloch wurde am 24. Juli 1880 in Genf als Sohn eines jüdischen Uhrenhändlers geboren. Er zeigte früh musikalisches Talent und legte zunächst den Schwerpunkt seines künstlerischen Strebens auf das Spiel der Geige, der er technisch in solchem Maße gewachsen war, dass er von 1897 bis 1899 am Brüsseler Konservatorium bei Eugène Ysaÿe studieren konnte. Dieser spürte hinter der Virtuosenfassade seines Eleven ein großes schöpferisches Potential und riet zur Vertiefung der kompositorischen Ausbildung, die der junge Bloch schon in der Schweiz bei Emile Jaques-Dalcroze betrieben hatte. Er begab sich also im Jahre 1900 zu Iwan Knorr ans Hochsche Konservatorium zu Frankfurt am Main und war schließlich in München Schüler von Ludwig Thuille, der bekanntlich über derartige technische Kenntnisse verfügte, dass ihn sogar sein Freund Richard Strauss noch als gestandener Komponist in kontrapunktischen Fragen um Rat anging.

Ernest Bloch war 24 Jahre alt, als er wieder nach Genf zurückkehrte, wo er in Ermangelung musikalischer Tätigkeiten zunächst als Buchhalter im väterlichen Geschäft sein Brot verdiente. Doch langsam nimmt die Karriere Fahrt auf: Bloch dirigiert die Orchester von Lausanne und Neuchâtel, erlebt im Oktober 1910 in Paris die Uraufführung seiner Oper Macbeth, von der der Kritiker Romain Rolland fasziniert ist, unterrichtet nebenher bis 1915 am Genfer Konservatorium und geht im nächsten Jahr als Dirigent der Maud Allan-Tanztruppe in die USA. Als das Unternehmen Schiffbruch erleidet, fällt Bloch auf die Füße: Bald lehrt er an der New Yorker David Mannes Music School. Von 1920 bis 1925 leitet er das Institute of Music von Cleveland, dann wirkt er fünf Jahre als Direktor des Konservatoriums von San Francisco. Hier erhält er von einer jüdischen Gemeinde den Auftrag zur Komposition eines Sacred Service, der so gut gefällt, dass Bloch ausgesorgt hat: Fortan kann er auch ohne Unterrichten seinen Lebensunterhalt bestreiten und sich ganz der eigenen Musik widmen – was er ebenso erfolgreich wie ausgiebig tut.

Die frühen Auszeichnungen wurden im Laufe der Jahre durch weitere große Preise und Ehrenmitgliedschaften erhöht, und die Anerkennung des musikalischen OEuvres nahm vor allem in den usa bedeutende Ausmaße an: So fand zum 70. Geburtstag des Komponisten in Chicago ein einwöchiges Festival statt, das einflussreichste Kreise realisiert hatten. Ernst Bloch starb am 15. Juli 1959, neun Tage vor seinem 79. Geburtstag, in Portland.

Keinerlei Zweifel am eigenen Können und an der Zukunft, dazu das Wissen, dass überall ein potentieller Freundeskreis auf einen wartet, der einem in schwierigen Situationen weiterhelfen würde – und außerdem ein unerschütterlicher, felsenfester Glaube an die relevanten Heiligen Schriften, deren Ton der Künstler nach eigener Aussage „tief, geheimnisvoll, hartnäckig, glühend“ in seinem Blute hörte: Ernest Bloch muss ein fürwahr Glücklicher gewesen sein.

Es passt daher auch, dass es in seinem OEuvre eigentlich keine Entwicklung gibt. Selbst die immer wieder versuchte Einteilung in verschiedene stilistische Schaffensphasen funktioniert nur bedingt: Die Israel-Sinfonie (1912/16), die Drei jüdischen Gedichte (1913) und die grandiose Rhapsodie Schelomo (1916) für Cello und Orchester werden gern als Ausdruck der „jüdischen“ Periode aufgezählt, doch müsste diese Phase dann bis zum Lebensende reichen, da jüdische Themen immer wieder aufgegriffen werden – selbst dort, wo man sie im Titel nicht unbedingt vermuten sollte, wie in dem Concerto symphonique für Klavier und Orchester, das unter der Leitung des Komponisten am 3. September 1949 beim Internationalen Festival von Edinburgh mit der Solistin Corinne Lacomblé uraufgeführt wurde. Besonders in den Ecksätzen dominiert hier eine statisch-massive, in sich ruhende Wucht, die den unvorbereiteten Hörer wie die Begleitmusik zu einer Szene anmutet, wie sie uns in Die zehn Gebote oder Ben Hur nicht überraschen würde.

Auch der Neoklassizist Bloch ist nicht eigentlich zeitgebunden. Kurz nach der oben erwähnten Hebräischen Suite schrieb er das zweite Concerto grosso für Streichorchester (1952), dessen bald dreißig Jahre älteres Pendant (mit obligatem Klavier) nicht weit von der „epischen Rhapsodie” namens America entfernt ist, mit der der Komponist seiner neuen Heimat ein etwas grelles Denkmal gesetzt hat, wie sogar die größten Bewunderer seines Schaffens konzedieren.

Das Concerto grosso Nr. 1, das Ernest Bloch mit dem Orchester seines Musikinstituts in Cleveland am 29. Mai 1925 uraufführte, hat mit solch plakativ-vordergründigen Formaten nichts gemein. Hier schreibt der Direktor des Musikinstituts von Cleveland eine verspielte Schulmusik, aus der als auffällige Erscheinungen der an zweiter Stelle stehende, intensive Dirge (Klagelied) sowie die Fuge zu nennen sind, die besonders durch ihren didaktischen Duktus hervortritt. „So macht man eine Fuge,“ scheint uns Ernest Bloch hier zu sagen, und er hat recht: Seine Selbstsicherheit, die Gewissheit, dass alles gut war, strahlt uns aus diesem Satz entgegen, der an dem handwerklichen Können seines Verfassers keinen Zweifel lässt.

Das Scherzo fantasque schließlich erlebte seine Premiere im Rahmen der sechstägigen Feierlichkeiten, die man im Dezember 1950 zum 70. Geburtstag des Komponisten veranstaltete. Ernest Bloch leitete das Chicago Symphony Orchestra, Ida Krehm spielte den virtuosen, schnurrigen und kraftvollen Solopart – und das Publikum konnte sich wieder einmal, wie beispielsweise in America, an dem enzyklopädischen Wissen des Verfassers erfreuen, der hier nicht nur seinen eigenen gewichtigen Ton anschlägt, sondern sich auch als Ravel- und Gershwin-Kenner zeigt und mit einem ganz kurzen Blick auf Mussorgskys Bilder einer Ausstellung sein wahrlich fantastisches Scherzo auf doppelten Boden stellt.

Eckhardt van den Hoogen

93.192 Beiheft-Text als pdf (56 KB)

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