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Carl Schuricht
dirigiert Bruckner
1 CD | 78min | Nr. 93.147
CD 1: » Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 7 E-Dur WAB 107
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Anton Bruckners Verhältnis zur Musikkritik war zwiespältig. Zwar brauchte er wie alle Neutöner die Musikpresse zur Durchsetzung seiner Ästhetik. Doch allzu oft schrieben Rezensenten verständnislos oder sogar verächtlich über seine Werke. Zum Beispiel der mächtige Wiener Kritiker Eduard Hanslick, der Bruckners siebte Sinfonie als »unnatürlich, aufgeblasen, krankhaft und verderblich« bezeichnete und sie mit dem zweifelhaften Prädikat »symphonische Riesenschlange« versah. Mit der Macht Hanslicks, der auch Professor an der Wiener Universität war, hatte es zu tun, dass dieses Werk nicht in Wien, sondern in Leipzig unter dem Dirigenten Arthur Nikisch uraufgeführt wurde.

Heute ist die Siebte die wohl meistgespielte Bruckner-Sinfonie überhaupt. In manchem gilt sie als typisch für Bruckners sinfonischen Stil schlechthin: etwa für seine Kunst, eine viersätzige Sinfonie auf einer ausgedehnten Melodie von hier 21 Takten aufzubauen, einer Melodie der Violoncelli und Hörner, die mit ihren ruhig auf- und absteigenden Intervallschritten ganz in sich zu ruhen scheint. Bruckner liebte es, gleichsam weit in die Ferne schweifenden kontemplativen Themen solche von nervöser Betriebsamkeit entgegenzusetzen; so geschieht es auch in diesem Eingangssatz. Formale Experimente hat Bruckner keine gesucht; dafür gibt er originellen Instrumentations-Ideen Raum: In der Durchführung dieses Satzes weist er das Hauptthema den Holzbläsern zu, das jetzt in der Umkehrungsform erklingende Seitenthema dagegen den Violoncelli, und die erwartete Reprise zögert er hinaus. Liebhabern musikalischer Rechenkünste ist es nicht entgangen, dass Reprise und Coda zusammen gleich lang sind wie die Exposition, nämlich 164 Takte. An Zufall mag man angesichts von Bruckners Zählneurose nicht glauben.

93.147 Beiheft-Text als pdf (55 KB)

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