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Ravel Maurice »Le tombeau de Couperin« | Ravel Maurice »Shéhérazade« u.a.
1 CD | 78min | Nr. 93.111
CD 1: » Maurice Ravel: Le tombeau de Couperin
» Maurice Ravel: Shéhérazade
» Maurice Ravel: Menuet antique
» Maurice Ravel: Tzigane (Rapsodie de Concert)
» Maurice Ravel: Daphnis et Chloé – Sinfonische Suite Nr. 1
» Maurice Ravel: Daphnis et Chloé - Suite Nr. 2

»Schöne Stellen« nannte Theodor W. Adorno eine Rundfunksendung, die er 1965 für den Hessischen Rundfunk schrieb und in der er, sonst ein so entschiedener Propagandist »strukturellen Hörens«, die Aufmerksamkeit seiner Hörerschaft auf faszinierende, klangsinnliche kompositorische Details richtete – auf seine sehr privaten »schönen Stellen« in den Werken der erlauchtesten Komponisten. Und da taucht überraschenderweise zwischen Musik seiner Götter Gustav Mahler und Alban Berg ein Stück von Maurice Ravel auf: der Beginn der Forlane aus »Le tombeau de Couperin«. »Die Stelle berückt «, schreibt Adorno, »mit welkem, sich selbst entblätterndem Duft« – eine poetische Formel, die er schon 35 Jahre zuvor zur Beschreibung dieses Satzes verwendet hatte. Adorno war zeit seines Lebens vernarrt in Ravels »Tombeau«, nannte ihn schon 1930 dessen »archaistisches Hauptwerk«, erkannte, dass das Stück unter seiner perfekten, klassizistischen Oberfläche eine »Trauermusik« ist und umschrieb »Ravels Melancholie« als »die helle und gläserne der enteilenden Zeit«. Es scheint besonders kennzeichnend, dass Ravel die möglicherweise tiefsten Gefühlsbewegungen seines Lebens – den Kriegstod von sechs Freunden (jedem von ihnen ist einer der Sätze gewidmet) und den Verlust der zärtlich geliebten Mutter – distanzierend in die Form alter Tänze kleidete: er war zu schamhaft, sich zu expressiven Schmerzgebärden hinreißen zu lassen, tarnte seine Empfindungen hinter einem klingenden Tombeau (= Grabmal) für den barocken Clavecinisten. 1917 beendete Ravel die sechssätzige Klaviersuite, zwei Jahre später die Instrumentierung des viersätzigen Orchesterzyklus.

93.111 Beiheft-Text als pdf (58 KB)

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